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»Ich genieße mein Selbstbestimmungsrecht.«

»Ich genieße mein Selbstbestimmungsrecht.«


»Frei nach Gefühl mache ich das immer, es wird nie ganz gleich«, zwitschert Elena Thayenthal konzentriert durch ihre Küche und staubt noch etwas Mehl an den Kartoffelteig. Es gibt Gnocchi, die Kinder helfen mit, ihr Mann macht die Sauce. Viele Köche zaubern hier ein leckeres Mahl. Hauptsache selber machen und zusammen sein, das ist das Motto.

»Das Haus haben wir im Internet gefunden, durch Zufall«, erzählt Thayenthal. »Wir kannten Neuruppin vorher nicht.« Aber es war perfekt, der See vor der Tür, ein Garten, eine riesige Küche als Treffpunkt für alle. »Wir sind eine Patchworkfamilie«, berichtet sie, »wir haben insgesamt 4 Kinder.« Da braucht man schon Platz, damit jeder auch mal sein Ding machen, seine Ruhe finden kann.

»Kleinstadt ist mein Konzept
– mit Kindern.«

 

»Als Kind war ich den ganzen Tag draußen, das war eine schöne Kindheit.« Thayenthal lässt den Satz etwas nachklingen, als müsste sie aus dem Gedanken erst wieder zurückkommen, in ihr Hier und Jetzt. »Kleinstadt ist ein gutes Konzept für mich«, beginnt sie, »man hilft sich hier gegenseitig, wir sind prima vernetzt. Ich brauche gute Schulen, es ist toll, wenn die Kinder hinlaufen können, eine Eisdiele in der Nähe und, ja, die medizinische Versorgung muss gewährleistet sein – und zwar nicht nur 08/15. Ich brauche gute Ärzte in der Nähe und natürlich Apotheken, wo ich meine Sachen bekomme.«

»Mir ist wichtig, die Ursache
und die Lebenskraft zu behandeln«

»Ich will ja keinen Arzt, der mir einfach nur irgendwas verschreibt. Ein guter Arzt ist einer, der auch mal zuhören, beobachten kann, einer, der seine Hände noch benutzt, der abhört, abklopft, der den Bauch anfühlt, die Zunge anschaut. Symptome sind für mich ganz wichtig – weil sie mich zur Ursache führen. Sie sind mir willkommene Zeichen, die ich eben richtig deuten muss. Deshalb spielen sie auch in der Homöopathie so eine zentrale Rolle. Die Homöopathie behandelt die Ursache, wenn ich mal was habe. Ich brauche dann einen Arzt, der schulmedizinisch und naturheilkundlich ausgebildet ist. Ich muss schauen, was ich ausschließen kann und brauche gute Tipps, die mir helfen, mit der Sache klarzukommen. Am Ende brauche ich einen Arzt, der mir vertraut – in meinen Entscheidungen.«

»Was wir tun müssen, ist manchmal dem Körper ein bisschen zu helfen – mit Homöopathie.«

 

»Eine ganz wichtige Frage ist für mich auch immer: Kann ich meinem Körper vertrauen, dass er das mit etwas Hilfe vielleicht selber hinkriegt? Dafür brauche ich das Gespräch mit meinem Arzt, damit ich mich absichern kann. Wenn mein Kind Fieber hat, kümmere ich mich darum. Vertrauen, warten… dem Kind sagen: Ich bin da. Fieber, ich beobachte das ganz genau. Ich setze mich ans Bett. Ich hab es unter Kontrolle, ich lasse es zu. Manchmal kann ich ein bisschen stupsen, manchmal mache ich das mit Homöopathie, manchmal auch mit einfachen Hausmitteln, mache Zwiebelwickel oder Essigpatscherln, wie man in Österreich sagt, also Essigwickel für die Füße. Dieses Vertrauen in den eigenen Körper möchte ich meinen Kindern vermitteln. Wir schaffen das selber. Das ist mir wichtig, dass ich meinen Kindern das mit auf den Weg gebe.«

»Mir hat nichts anderes geholfen.«

 

Woher diese Überzeugung? Thayenthal muss lachen: »Erfahrung? Ich habe sehr, sehr gute Erfahrungen gemacht mit Homöopathie. Mein Schlüsselerlebnis war eine chronische Blasenentzündung, die mich als Kind sehr lange gequält hat. Ich habe alles dagegen versucht, war überall, habe auch Antibiotika bekommen, die Schmerzen sind am Ende immer wiedergekommen. Dann bin ich zu einem Homöopathen, da ging es natürlich auch nicht von heute auf morgen weg, aber das Entscheidende waren am Ende einfach diese 5 kleinen Kügelchen. Das war das einschneidende Erlebnis, wo ich gemerkt habe: Homöopathie kann mir, wenn ich wirklich krank bin, helfen.«

»Ich habe den Weg gefunden,
den ich gehen möchte.«

 

Die Blasenentzündung ist nie wieder gekommen und das hat Thayenthal geprägt. Sie fühlt sich stark und sicher in Ihrer Überzeugung, dass sie mit etwas Hilfe und ärztlichem Rat zur Ursache einer Erkrankung vordringen und diese mit den richtigen, angemessenen Mitteln behandeln oder behandeln lassen kann. Sie versteht sich als mündige Patientin und Bürgerin, frei in ihrer medizinischen Entscheidung über ihren Körper. »Ich genieße mein Selbstbestimmungsrecht und möchte mir das auch bewahren und erhalten«, erklärt sie mit einem klaren, entschlossenen Lächeln.

»Mein Mann ist Philosoph.
Er braucht Belege.«

 

»Ich finde es wichtig, dass jeder den Weg gehen kann, den er gehen möchte. Ich habe meine Erfahrungen gemacht und will mir die nicht kaputtmachen lassen…ja, und jetzt habe ich einen Mann, mit dem ich viele, viele Diskussionen über dieses Thema geführt habe. Er ist viel schneller besorgt als ich, er geht schneller zum Arzt. Er will sich viel eher auch absichern beim Arzt und behandelt schnell die Symptome. Die müssen weg, die stören. Die verschiedenen Betrachtungsweisen, die wir beide haben, mein Mann und ich, die haben schon viele Konflikte gefördert und haben uns auch erstmal ziemlich auseinandergetrieben. Da war diese Meinung und diese Meinung und da gab es überhaupt keine Annäherung.« Thayenthal gönnt sich eine Pause und schaut ihn an, ihren Mann. Hannes Bernhagen hält ihr kommentarlos den Kochlöffel hin, will, dass sie seine Sauce probiert. Er grinst, zieht fragend seine Augenbrauen hoch. »Ich lasse ihn, wie er ist – und er lässt mich, wie ich bin«, beschreibt sie den Moment. Sie sind beide friedlicher geworden. »Ich hab jetzt auch die Gelassenheit zu sagen: Du kannst doch Deins machen und ich mach Meins. Wir können uns da schon ganz gut ergänzen.«

»Schulmedizin und Homöopathie –
das funktioniert nur Hand in Hand…«

 

Das klingt fast wie der immer wieder neu zu verhandelnde Frieden von Neuruppin. Ein Modell für das Land? Inzwischen sitzen alle am Tisch und schlemmen ihre dicken, saftigen, hausgemachten Gnocchi. Thayenthal holt Luft und berichtet von einem ihrer besten Argumente: »Für mich ist das Schöne an Homöopathie, dass ich keine Angst haben muss, ein homöopathisches Mittel einzunehmen, weil ich keine Nebenwirkungen davon bekomme. Im besten Fall funktioniert es und im schlimmsten Fall funktioniert es einfach nicht.« Sie schaut aus dem Fenster, legt ihre Stirn in Falten – dann sagt sie es: »Wir pflegen in unserer Familie einen respektvollen Umgang damit und das würden wir uns auch für die Diskussion in der Gesellschaft wünschen.«

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