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»Wir versuchen,
erstmal zuzuhören.«

»Wir versuchen erstmal zuzuhören«

»Freiheit.., Freiheit ist erstmal das gefühlte Grundrecht Nr. 1 für mich.« Hans-Joachim Ternes richtet sich ein wenig auf, lächelt nachdenklich und versucht, der Sonne etwas auszuweichen, die strahlend hell in seine Praxisräume hinein scheint. »Die Freiheit, die wir beispielsweise hier in unserer therapeutischen Arbeit haben, daß wir eben nicht nach Leitlinien arbeiten müssen, sondern uns wirklich individuell auf unsere Patienten einstellen können, das ist unsere therapeutische Freiheit, so wie auch der Patient die Freiheit hat, zu wählen, wo er hingeht.«

Ternes ist Heilpraktiker und betreibt in Großwinternheim, einem kleinen, malerischen Vorort von Ingelheim am Rhein, seine ganzheitliche Naturheilpraxis. Ganzheitlich deshalb, weil Ternes, wie viele seiner Kolleg*innen auch, den Anspruch hat, den Mensch als Ganzes komplett wahrzunehmen und eben nicht nur symptombezogen zu agieren: »Heilpraktiker, egal wie sie sich spezialisiert haben, sind immer bemüht, über ihre Tellerränder hinaus zu blicken und ihre Patienten als diese komplexen Wesen zu erfassen, die sie sind. Heilpraktiker schauen, wie man so schön sagt, nach Körper, Geist und Seele.«

»Heilpraktiker ist einer, der praktisch arbeitet – an der Heilung.«

»Wir sind hier zu zweit«, berichtet Ternes, »wir sind im Prinzip 11 Stunden täglich in der Praxis, der Zeitfaktor ist nicht zu vernachlässigen. Ich muss die Zeit mitbringen und dem Patienten auch die Zeit geben, sich wirklich mitteilen zu können. Der Heilpraktiker hat den Faktor Zeit positiv auf seiner Seite und spielt damit aus meiner Sicht eine ganz wesentliche Rolle im Gesundheitssystem.«

Ternes steht auf und geht herüber zu einem Drehstuhl, der bei einem Ultraschallgerät auf ihn wartet. »Wir machen hier im Prinzip natürlich all das, was ein Arzt auch macht, das heißt wir machen hier unter anderem eine komplette Labordiagnostik, sehr umfangreich, wir sind dabei sehr wissenschaftlich orientiert. Wir machen eine Ultraschalldiagnostik beim Thema Schilddrüse, ganz intensiv, wir schauen uns damit auch die Gefäße an. Wir wollen hier keine Apparatemedizin machen, möchten uns aber gerne technisch unterstützen lassen. Es ist in der Diagnostik und auch in manchen Therapieformen so, daß wir nicht alles mit der Hand alleine heilen können.«

Viele neue Patient*innen kommen mit manchmal langer Vorgeschichte ihrer chronischen Leiden in die Naturheilpraxis. Dann wird zunächst auch immer geschaut, ob es für die berichteten Beschwerden möglicherweise einen Grund gibt, der bisher, in vorangegangen ärztlichen oder fachärztlichen Behandlungen vielleicht nicht so im Fokus stand.

Dieses Vorgehen erklärt Ternes sehr gut einem Beispiel: »Wir arbeiten ganzheitlich mit der Schilddrüse. Wir geben nicht einfach ein Präparat und damit ist das Thema erledigt, sondern wir schauen natürlich, in welchen organischen Strukturen werden die Dinge umgebaut, die die Schilddrüse benötigt, das heißt, wir reden über den Darm, über die Nebenniere, wir reden über die Leber. Wir schauen, ob die ganzen Botenstoffe, Vitamine, Mineralien, die benötigt werden, überhaupt ausreichend zur Verfügung stehen. Eine ganzheitliche Ursachendiagnose bildet die Grundlage für ein individuelles Therapiekonzept.“«

»Der Patient kommt mit auf die Reise der Genesung.«

»Die erste Rückmeldung, die wir sehr oft kriegen, ist, daß die Patienten sagen: Das ist das erste Mal überhaupt, daß uns mal ein Labor erklärt wurde.« Jetzt steht Ternes wieder auf und beginnt zu schwärmen: »Wenn wir einen Ultraschall von der Schilddrüse machen und ich sage zum Patienten, er schaut da mit rein, dann sagt der Patient als allererstes immer: Ich sehe da sowieso nichts. Dann zeigen wir ihm die Struktur und wo da sein Verbesserungspotential liegt und das Schöne ist, wenn wir dann nach 3 oder 4 Monaten Therapie noch einmal zusammen drauf schauen, sieht er selbst eine Verbesserung. Er sieht Heilung, das ist natürlich schon toll. Der Patient soll mit uns auf Augenhöhe sein und sich wahrnehmen. Der Patient soll mitwirken, er muß auch mitwirken. Er kann sich nicht hier abgeben.«

»Man muß manchmal um die Ecke denken.«

Es sind Mut und Demut gleichzeitig, die Ternes hier von sich und seinen Patient*innen verlangt, denn: »Unser Körper ist..«, versucht er, seiner Faszination Ausdruck zu verleihen, »..je mehr man drüber weiß, desto mehr ist es ein Wunder, wie alles schön funktioniert. Unser Organismus ist ein kompliziertes, aber sehr durchdachtes Konstrukt. Ein wahnsinnig komplexes Verhältnis der verschiedenen Strukturen und jedes kleine Teil, das nicht mehr gut funktioniert, bringt auch andere Bereiche in eine Situation, daß auch sie nicht mehr richtig arbeiten können.

Deshalb geht es immer um Ursachenforschung. Wenn ich einen Patienten habe, der über Kopfschmerzen klagt, kann ich nicht alles andere wie ein OP-Feld abdecken und mich nur dem Kopf zuwenden, sondern ich muß natürlich schauen – und das machen wir auch systematisch – ist möglicherweise eine Beinlängendifferenz da, gibt es einen Beckenschiefstand, ist das Becken verdreht, gibt es eine muskuläre Dysbalance, ist an der Wirbelsäule was verschoben, ist die Muskulatur verkürzt? Das müssen wir erkennen, erklären und in Ordnung bringen. Der Kopf ist oft ja nur der letzte Wirbel, der alles ausbaden muß.«

»Der Schmerz ist hausgemacht, durch unsere Lebensweise.«

Ternes streckt sich und denkt einen Augenblick nach. „Der Mensch ist nicht dafür gemacht, 10 Stunden zu sitzen, wir bewegen uns zu wenig und wenn, dann meistens falsch. Der Schmerz signalisiert dem Patienten: Du hast ein Problem, Du mußt Dinge ändern. Schmerzen können überall am Körper auftreten – und das tun sie blöderweise auch. Die Patienten kommen zu uns mit Schmerzen – fast an allen Körperteilen. Die haben Schmerzen an den Füßen, an den Knien, am Becken ganz viel, weil durch das viele Sitzen fast kein Becken mehr gerade steht. Viele haben Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schulterschmerzen, sie knirschen mit den Zähnen oder haben einen Tinitus, viele haben Migräne. Da müssen wir immer nach den Ursachen schauen und dort natürlich ansetzen, um die richtige Therapie zusammenzustellen.“

»Therapie ist die Aussicht auf Heilung und der Weg dahin.«

Vielfalt, Therapievielfalt ist dafür ein ganz wichtiger Aspekt in der Philosophie der Naturheilpraxis Ingelheim. »Für Patienten ist es wichtig, daß sie die Wahl haben, zu welchem Therapeuten gehe ich und dann auch: Welche Therapien möchte ich in Erwägung ziehen, damit sie bei mir angewendet werden.

Wir sind in den Therapien relativ breit aufgestellt«, führt Ternes aus. »Wir arbeiten osteopathisch, machen Akupunktur, Injektionen, Infusionstherapien. Wir arbeiten mit Reizstrom, mit Ultraschall, mit Triggerpunkten, mit verschiedenen Sachen, die wir – jetzt beispielsweise beim Schmerzpatienten – dann auch individuell kombinieren. Jeder Patient hat einen anderen Schmerz.

Wir sind auch von komplexhomöopathischen Produkten sehr überzeugt, viele der Hersteller haben sehr gut abgestimmte und ausgereifte Produkte. Zum Beispiel arbeiten wir viel mit komplexhomöopathischen Lymph- und Matrixmitteln oder Organpräparaten. Beim Komplexmittel ist die Wirkung im Regelfall nachgewiesen. Deshalb darf dann auch draufstehen, bei welchen Beschwerden es hilft.

Therapie ist für uns der Versuch, die Situation des Patienten zu verbessern. Wichtig ist uns, die Zielsetzung vorher mit dem Patienten gemeinsam zu definieren. Wo wollen wir hin? Es muß ja realistisch sein, aber es darf durchaus ambitioniert sein. Die Therapie muß zur Herausforderung passen, ich muß sie dann entsprechend zusammenbauen. Die Erfolge sehen wir in der täglichen Arbeit.«

 

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