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»Heilung ist ein interaktiver Prozess.«

»Heilung ist ein interaktiver Prozess«

»Gott sei Dank habe ich immer gute Laune«, strahlt Thomas Scholze, als er die Türe zu seiner Naturheilpraxis öffnet. »Fast immer«, schränkt er dann mit einem bestätigenden Nicken ein: »Sobald ich die Praxis betrete, wird meine Laune ganz ausgezeichnet – weil mir das hier viel Freude macht!« Es ist 11.00 Uhr vormittags in Berlin Wilhelmshagen, die Sonne scheint mit schrägen Frühlingsstrahlen auf die Berliner Stadtgrenze am südöstlichen Rand zum Nachbarland Brandenburg.

Th. Scholze ist ein lebendiger, gewandt herumsausender, kräftiger Mann mit einem neugierigen Blick und einem magischen Blitzen in den Augen. Seine Behandlungsräume verströmen einen feinen, angenehmen Duft nach Tinkturen wie Nelkenöl. Ein mildes, indirektes Sonnenlicht spiegelt sich in den Flächen seiner Schränke und Türen.

Er hat viel zu erzählen und beginnt damit ohne Verzug: »So eine Behandlung ist eine intensive beiderseitige Beziehung, auf die man sich einlässt. Ich vermittle vor allem Mut und Motivation und ich habe einen sehr guten Humor, den ich auch dafür nutze. Meine Verfahren sind nämlich invasiv, die tun auch mal weh, die pieken. Infusionen, Chiropraktik, Spritzen. Mit meinem Humor helfe ich den Patienten, sich zu entspannen. Und so wie man für die Behandlung beiderseitiges Vertrauen benötigt, braucht es auch den Humor auf beiden Seiten, denn der ist wichtig für die Behandlung. Er sorgt für eine positive, optimistische Haltung, selbst in manchmal aussichtslos scheinenden Situationen. Dadurch geht der Körper sozusagen auf Empfang. Auch durch Humor wird es möglich, den Körper für Selbstheilungsprozesse zu öffnen.«

»Der wichtigste Wert in meiner Arbeit ist Menschlichkeit.«

Viele seiner Patienten behandelt Th. Scholze seit längerer Zeit, manche seit Jahrzehnten. Er kennt die familiären Verhältnisse, die Konflikte, er weiß um Erfolge und Schicksalsschläge, er wirkt oft als enger Vertrauter. »Das Soziale«, so nennt er es, »ist sehr wichtig. Da geht es um Augenhöhe, um Resonanzerfahrungen, das ist vollkommen unausgesprochen. Ein intuitives Verständnis und eine Sympathie im Zwischenmenschlichen, die für den Behandlungserfolg bedeutsam sind.«

Menschlichkeit und Resonanz, da hält es Th. Scholze mit dem Freiburger Internisten und Psychiater Prof. Dr. Joachim Bauer, spielen in der Medizin eine unterschätzte und tatsächlich fundamentale Rolle. »Der Therapeut ist ein Mitmensch auf Augenhöhe, so verstehe ich das. Medizinische Behandlung ist eine beiderseitige Beziehung zwischen Menschen, Heilung ist ein interaktiver Prozess.«

»Behandlung dauert immer zwei Stunden.«

Für seinen umfassenden und empathischen Behandlungsansatz nimmt sich Th. Scholze viel Zeit und greift in seiner Praxis auf verschiedene Methoden zurück. Er arbeitet bevorzugt mit Reiztherapien (z. B. Baunscheidt-Therapie, Akupunktur, Injektionen), verwendet aber auch gern homöopathische Komplexmittel, die individuell auf die Patienten abgestimmt werden.

Am heutigen Behandlungstag kommen zwei Patientinnen, die er schon seit Jahren immer wieder betreut und die ihm sichtbar großes Vertrauen entgegenbringen. Er scherzt, dass es heute wieder einmal etwas schmerzen könnte: »Medizin ist ein Handwerk und invasive Reiztherapien sind sehr gut. Akupunktur, Spritze, Chiropraktik, Segmenttherapie. Wenn ich Reize verabreiche, ein paar Mal, kriegt der Körper den Impuls, ihm eigene Heilreaktionen auszulösen. Der Körper ist als ein Netzwerk mit verschiedenen Zugängen zu verstehen. Ich begleite das auch mit Komplexhomöopathie und habe sehr gute Erfolge.«

Komplexmittelherstellung, findet Th. Scholze, »ist sehr vertrauenswürdig. Das sind oft kleine Familienunternehmen. Und: Wenn ich Komplexmittel gebe, Niedrigpotenzen, dann reagiert der ganze Körper und hält die Heilreaktionen in Fahrt.« Die Patientin wirft ihm einen vielsagenden Blick zu. Sie liegt entspannt mit Akupunkturnadeln auf der Liege und scheint das Behandlungsgeschehen genauso zu genießen, wie sie das Ergebnis zu schätzen weiß: »Er darf das alles gerne mit mir machen. Ich bin ihm wahnsinnig dankbar – er hat mir enorm viel an Lebensqualität zurückgegeben.«

»Grundlegend ist doch, die Gesundheit zu erhalten.«

Als bekennender Naturheilkundler ist der in Bautzen geborene und aufgewachsene Therapeut ein an verschiedenen Verfahren interessierter und lebenslang neugierig Lernender. Nach seinem kulturwissenschaftlichen Abschluss in Ethnographie und der Promotion qualifiziert sich Thomas Scholze bis heute immer wieder weiter. Er lässt sich zum staatlich anerkannten Heilpraktiker ausbilden, assistiert bei Wilhelm Quast (1937-2005) in Berlin-Charlottenburg und besucht unzählige Weiterbildungen, u. a. auch in China. Er hat den Vorzug, in der ehemaligen DDR und im wiedervereinigten Deutschland zwei ganz unterschiedliche Gesundheitssysteme kennengelernt zu haben. Heute arbeitet Th. Scholze mit traditioneller Erfahrungsmedizin genauso selbstverständlich wie mit hochmodernen, neuen Verfahren wie der Implantat-Akupunktur.

»Naturheilkunde kommt von unten«, betont er, »die kann man nicht abschaffen. Das ist Volksmedizin. Naturheilkunde ist Grundlagenmedizin, nicht Komplementärmedizin. Sie ist eine eigene Disziplin mit eigenen Grundsätzen« und schaut – so erklärt er es – auf den ganzen Menschen, nicht nur auf einzelne Symptome. »Ich betrachte den Körper als Einheit und als Netzwerk, das ist mein eigener naturheilkundlicher Grundsatz: Der Mensch und seine Gesundheit als Einheit von Körper, Geist und Seele.« Dieser Weg, findet Th. Scholze, sollte systematisch schon ab dem Kindesalter begangen werden. »Grundlegend ist doch, die Gesundheit zu erhalten. Kinder, die bis ins Erwachsenenalter naturheilkundlich betreut werden, sind einfach gesünder, haben ein besseres Verständnis von sich und von dem, was Ihnen gut tut. Und: Naturheilkunde ist sehr preiswert für unser Gesundheitssystem.«

»Ich habe das »Manifest« genannt«

Über seinen Beruf als Heilpraktiker hat Th. Scholze im Februar 2025 ein vielbeachtetes Buch veröffentlicht: »Heilpraktiker Medizin – kein Hokuspokus. Mit Reiz und Tradition zu eigener Kraft.« »Heilpraktiker«, er hebt die Stimme ein wenig und auch die Augenbrauen, »ist ein medizinischer Fachberuf. Ich wünsche mir mehr Anerkennung dafür im Gesundheitssystem.«

Deshalb hat er das Verbindende, das Gemeinsame, die Verbände und übergeordneten Organisationen immer im Blick: »Mancher Heilpraktiker ist ja doch ein Einzelkämpfer, da müssen wir uns noch mehr zusammentun. Qualitätssicherung, Fortbildung, die Rolle der Verbände ist sehr wichtig. Wir müssen uns einigen und uns einbringen – auch in den gesellschaftlichen Wandel mit hineinarbeiten, gestalten und verändern wollen. Es ist wichtig, dass unsere Arbeit weiterhin auch in der Öffentlichkeit stattfindet, diskutiert und unterstützt wird.«

Th. Scholze geht zum Fenster und schaut hinaus in den Garten. »Die Karl und Veronica Carstens-Stiftung oder die Universität Witten/Herdecke zum Beispiel, dort sind tolle, kluge Leute, die sich öffentlich stark machen für die Naturheilkunde. Davon wünsche ich mir mehr, ich freue mich über jede und jeden. Eine Lobby – vernünftige, einflussreiche Leute brauchen wir.«

Aber Th. Scholze hat nicht nur Wünsche an andere, er ist auch selbst für seine Sache tätig geworden und hat in seinem Buch den Beruf des Heilpraktikers nahbar und humorvoll beschrieben. Er hat auch eine große Idee entwickelt, wie die Naturheilkunde, die »Volksmedizin« – wie er sie auch nennt – und der Beruf des Heilpraktikers den Stellenwert und die Anerkennung erhalten könnten, die ihnen seiner Meinung nach zustehen: »UNESCO-Kulturschutz für das Heilpraktikerwesen«, strahlt er stolz. »Ich bin zufrieden, meine Idee ist in der Welt!«