Kategorien
Gesicht

»Guten Morgen, Praxis!«

»Guten Morgen, Praxis«

»Hier wohnen einfach großartige Menschen, alle sind sehr freundlich.« Johanna Rach schreitet mit der feinen Haltung einer Tänzerin und einem offenen Lachen im Gesicht über die Straße und grüßt andere Menschen, die auch gerade auf dem Weg zur Arbeit zu sein scheinen. Es ist 9 Uhr in der Frühe in Nürnberg, Stadtteil Rennweg, bzw. Schoppershof. »Da scheiden sich die Geister, wo jetzt genau die Grenze ist«, erklärt sie, »ich bin überglücklich, in diesem Viertel arbeiten zu können. Hier ist was los. Hier ist aber auch viel Ruhe. Hier sind ganz viele andere tolle geschäftstreibende Frauen um mich herum. Es ist sehr angenehm!«

Der morgendliche Weg zur Praxis führt Johanna Rach an den allermeisten Tagen erst einmal ins Kumo, ein ihrem naturheilkundlichen Arbeitsort direkt gegenüberliegendes, sehr schön eingerichtetes Café mit köstlich vielfältigem und auch gesundem Angebot. Diese Zeit nimmt sie sich bewusst, um sich innerlich auf die Begegnungen mit den Patientinnen und Patienten des Tages vorzubereiten, um sich noch einmal zu fokussieren. »Mein zweites Zuhause«, lächelt sie wissend und deutet mit ihrem Matcha Latte auf ein paar Bänke draußen in die Sonne.

»Wen behandele ich? Jeden Menschen, der den Weg zu mir findet. Ich bin Vollblut-Therapeutin und nicht festgelegt auf nur Frauen, nur Männer oder Kinder.« Johanna Rach ist inzwischen in ihrer schönen Praxis angekommen. »Eine gute Therapeutin ist für mich jemand, die gut zuhört, die ihre Patientinnen und Patienten wahrnimmt, für voll nimmt – und ihnen dann hilft. Dafür«, findet sie, »kann ich viele Werkzeuge nutzen, viele unterschiedliche Wege beschreiten. Es gibt oft nicht nur den einen Weg, um nach Rom zu gelangen und einem Menschen zu helfen.«

Viel von dieser Grundhaltung, erklärt Rach, sei ihr schon als Kind mitgegeben worden, weil auch ihre Eltern beide sehr erfolgreich als Heilpraktiker arbeiten und viel Erfahrungen und Therapieinhalte an sie weitergegeben wurden. Es war ihr deshalb schon klar, als sie noch zur Grundschule ging: »Ich will Heilpraktikerin werden, so wie meine Eltern.«

»Der Glow kommt von innen.«

»Wie geht es deiner Mama? Wie geht es deinem Papa? Woher kommst Du gerade?«, fragt sie erwartungsvoll ihre erste Patientin an diesem Tag. »Der Mensch ist nicht als Einzelnes zu betrachten, sondern in seinem ganzen familiären Zusammenhang, deswegen schaue ich mir das Ganze immer genau an«, berichtet sie und fokussiert die vielen kleinteiligen Angaben auf ihrem Bildschirm. »Mich interessiert immer das Gesamtbild, das ist ein riesiger Teil in meiner Anamnese.«

»Naturheilkunde ist für mich, mit dem Ursprung zu kommunizieren, die Kommunikation mit dem Körper auf einer Ebene herzustellen, die ein synthetisches Medikament nicht schafft. Die Natur hat schon immer alles bereitgestellt, wir haben nur manchmal vergessen, das zu sehen, zu wissen und umzusetzen. Beispiel: Kopfschmerzen! Es gibt so viele verschiedene Arten von Kopfschmerzen und die Natur hatte schon immer Angebote, um hier gut zu helfen. Ein Schmerzmittel muss nicht immer der erste Griff sein. Will ich nur ein Symptom beheben oder will ich auch die Ursache mitnehmen? Das darf ich mich schon einmal fragen, denn wirklich genesen können wir erst, wenn alle Ebenen wieder im Einklang sind.«

Dasselbe gilt auch für den »Glow«, neudeutsch für einen frischen, gesunden und strahlenden Teint der Haut, erklärt Rach: »Der Glow kommt von innen! Ein gesunder Körper hat ein komplett anderes Hautbild. Die Organe funktionieren. Die Haut ist gut versorgt, die hat Spannkraft, die ist aufgepolstert. Das kommt tatsächlich von innen.«

»Homöopathie spricht die Sprache unseres Körpers.«

Rach ist in ihrem Element. Sie hat selbst einen schönen Glow und eine große Ausdruckskraft: »In erster Linie geht es mir darum, das Beschwerdebild des Patienten richtig wahrzunehmen, zu deuten und das Verständnis aufzubringen – den Menschen zu sehen. Dann muss ich die einzelnen Dinge hinterfragen, gegenüberstellen, um einen Zusammenhang zu erkennen zwischen zum Teil ganz unterschiedlichen Symptomen, die aber im Ganzen gesehen dann oft ein klares Bild ergeben.«

»Ein roter Faden in allem, was ich tue, ist die Homöopathie. Ich sehe immer wieder strahlende Gesichter, wenn wir etwas erfolgreich therapieren, wie z.B. bei chronischen Verläufen von Borreliose oder Epstein Barr Virus. Da gibt es einfach Grenzen in der konventionellen Therapie, die ich aufbreche, das schaffen wir mit Homöopathie, weil das die Sprache ist, die unser Körper besser und leichter verstehen und in Heilung umsetzen kann.«

Rach gibt aus verschiedenen Gläschen einige Globuli zusammen in eine Schale und schaut auf. »Komplexmittel sind für mich superentscheidend. Die sind eben nicht klassisch homöopathisch. Da würde man nur mit einem einzelnen Präparat arbeiten, mit einem einzigen homöopathischen Arzneistoff. In der Komplexmedizin dagegen haben wir in allen Potenzen verschiedene Mittel, die für ein ganzes Indikationsfeld, einen Symptomkomplex perfekt zusammenpassen. Da kann ich also verschiedene Symptome, verschiedene Krankheitsbilder zusammenfassen und auf einmal zusammen behandeln.«

»Prävention beginnt bei den banalsten Dingen.«

Die »Komplexmittelmedizin», wie Rach sie bezeichnet, ist auch deshalb oft der richtige Weg, das richtige Werkzeug für sie, weil sie unseren menschlichen Körper und unsere Gesundheit auch als komplexe Systeme versteht, in denen viele Dinge einander auch gegenseitig und natürlich vielschichtig, also komplex beeinflussen. »In unserem Körper ist nicht jedes Organ isoliert zu betrachten, sondern es kommuniziert alles miteinander.« Deshalb ist Rach auch eine begeisterte Verfechterin der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Therapeuten unterschiedlicher Fachrichtungen. »Jeder in seinem Fachgebiet sollte sich öffnen und daran mitarbeiten, den Patientinnen und Patienten gemeinsam zu helfen.« Wir brauchen ein ganzheitliches Verständnis von Krankheit und Symptomatik – aber auch von Gesundheit und Prävention, das ist ihre Botschaft.

»Trinke ich genug Wasser?«, beginnt Rach und zieht ihre Augenbrauen fragend hoch. »Welches Wasser trinke ich? Welche Lebensmittel konsumiere ich? Welche Schadstoffe füge ich mir zu? Rauchen, Alkohol, Kaffee, Fett, Zucker? Wie viel schlafe ich? Wie viel bewege ich mich? Ist das die Bewegung, die mir guttut? Welche Beziehungen habe ich, wie ist mein soziales Leben? Ich könnte noch weiter fragen, es gäbe noch viel mehr, das dazu beitragen kann, präventiv gut aufgestellt zu sein.«

»Ich glaube, ich spiele eine sehr große Rolle für meine Patienten beim Thema Prävention, weil ich jeden dahin führen möchte, das Verständnis für den eigenen Körper aufzubauen, die Bedürfnisse zu hören, zu sehen, zu fühlen und danach dann auch agieren zu können. Mehr und bessere Prävention würde bedeuten: Die Menschen wären gesünder.«

Das, findet Rach, würde auch unserem wankenden Gesundheitssystem sehr gut helfen. »Eine sinnvolle Vision wäre für mich, dass Menschen, die zum Beispiel wenig, bis keine Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung in Anspruch nehmen, entlastet werden. Die bisherige Entwicklung und die aktuelle Situation sehe ich kritisch. Das Gesundheitssystem lebt davon, dass die Menschen krank sind. Wenn die Menschen gesünder wären, würde das System in sich besser funktionieren, und zwar auf allen Ebenen. Und das wäre unglaublich wünschenswert!«